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Freitag, 18. Juni 2010

Der große Bearpaw Custom Takedown - Test

Es gibt Sachen, die passierem einem Normalsterblichen, der eigentlich - neben dem "normalen" Leben - nur Bogenschütze ist, nur selten. Also eigentlich fast nie. So etwas durfte ich erleben.
Die Vorgeschichte zu meinem "verendeten" Custom Takedown hab ich ja bereits gepostet... Es hatte sich nun aber herausgestellt, dass das Griffstück in Ordnung war, nur die Wurfarme hatten die Grätsche gemacht.

Gestern kam dann ein Paket. Chris hatte mir schon zu meiner übergroßen Freude angekündigt, dass ich dennoch das Griffstück im neuen Design bekommen, und die beiden Dinger dann mal im Vergleich teste. Was ich aber nicht erwartet hatte, war dass die zukünftigen Testbedingungen deutlich optimiert wurden: Es kamen zwei komplette Bogen an. Einer mit dem alten Griffstück und neuen Wurfarmen, einer mit dem Neuen Griffstück und ebenfalls neuen Wurfarmen.

Gut, die Wurfarme bei dem Neuen Griffstück haben kleine Schönheitsfehler und wären so wohl nicht durch den abschliessenden Verabeitungstest des Bogenbauers gegangen, aber es ist schon ein Anblick, wenn man plötzlich zwei Custom Takedowns im selben Holzdesign vor sich stehen hat.

Die ersten Schüsse waren - wie zu erwarten war - eine Offenbarung. Aber nun mal zum Test:

Die Rohdaten beider Bogen:

Name: Bearpaw Custom Takedown
Design des alten Bogens: 04 / 2009
Design des neuen Bogens: 06 / 2010
Bogenlänge: 62"
Zuggewicht: 50# bei 28" Auszug
Griff: Ebenholz mit Ahorn / Bubinga-Einlage
Wurfarme: Eibe auf Bambus, Speed Tuff
Standhöhe: 7,5"

Der erste Eindruck

Brüderchen und Schwesterchen: Links der neue Schnitt, links der Alte

Betrachtet man nun die beiden Geschwister nebeneinander, fällt zunächst nicht allzuviel auf. Es dünkt einem, dass der Griff ein wenig schlanker geworden ist. Bei weiterer Betrachtung haben auch die Wurfarmaufnehmer einen Tick abgenommen. Was der Frühling nicht alles Zustande bringt... Täte mir auch mal nicht schlecht...


Und jetzt mal drüber gelegt: Oben der Neue, unten der "Alte"

Legt man aber beide Griffstücke übereinander, fällt es einem sofort in's Auge: Der Griff wurde um etwas über einen Zentimeter nach vorne versetzt. Der erfahrene Bogner weiß, dass dieses - wie bei der Black Widow oder auch dem Bearpaw Custom Hawk - eine deutliche Steigerung der Stabilität im Schuss bringt.

Die Wurfarme

Gleich geblieben ist der Winkel der Wurfarme zur Sehne. Durch diesen recht steilen Winkel und die Vorlagerung des Griffes wird die Vorspannung ein wenig gesenkt, dennoch bringt der Bogen mehr Geschwindigkeit in den Pfeil als andere TD-Recurves, die ich geschossen habe. Zudem fiel mir auf, dass die neuen Wurfarme nicht nur mehr mit einer Lage Speed-Tuff (durchgängig durch den gesamten Wurfarm) versehen sind, sondern nun mit zweien. Holla die Waldfee...

Das Gewicht

Die kleine Schlankheitskur macht sich ein wenig im Gewicht bemerkbar. Der neu designte Bogen (also Griff mit Wurfarmen und Sehne) wiegt mit ca. 1240g ein bisschen weniger als das alte Design mit ca. 1320g. Das ist natürlich auch abhängig vom Holz, das zur Verarbeitung verwendet wird. Bei den beiden gemessenen handelt es sich um Ebenholz mit Ahorn / Bubinga - Einlage.

Der erste Griff

Was beim alten Design rudimentär gestört hat, waren die Kanten vorne am Griff, die beim Packen des Bogens immer spürbar waren. Sie haben beim Auszug nicht gestört, aber wenn man ihn in der Hand hielt, waren sie einfach da. Diese sind nun verschwunden, der Griff schmiegt sich - auch deutlich schlanker geworden - regelrecht in die Hand. Es ist einfach eine Freude, den Bogen in die Hand zu nehmen. Glatt, ebenmäßig, bequem. Fast schon ein Handschmeichler geworden, der Gute.

Die ersten Schüsse

Ich habe ja schon immer von meinem "alten" Custom Taketown geschwärmt, aber nun fehlen mir die Worte. Jeder Schuss ein Genuss. War der "Alte" war schon butterweich im Auszug und sanft im Abschuss, tut der "Neue" es ihm gleich. Im Auszug und dem Abschuss identisch. Eine Wohltat, wenn man sich mal mit einem Bogen eines Herstellers herumschlagen musste, der preislich sehr günstige Einsteigerbogen in China fertigen lässt.

Geschwindigkeit

Im Rahmen der Gundelsheimer Sommerrunde konnte ich beide Bogen im Vergleich mit einem Geschwindigkeits-Messgerät testen. Das Alte Design mit dem zurückgesetzten Griff war - wie fast erwartet - durch die höhere Vorspannung einen Tick schneller mit 186fps (ca. 370grs schwere Pfeile und Fingerablass). Der neue Custom-Bogen lag jedoch mit 183fps nur gering dahinter.

Der große Unterschied, wohl durch den nach vorne versetzten Griff bedingt - ist jedoch die Stabilität und die Gruppierungssicherheit. Man fühlt sich, als ob man über Nacht von selber besser geworden ist, denn die Gruppierung auch auf weitere Distanzen (30 Meter Testdistanz), ist beeindrckend im Vergleich. Der "Alte" war schon sehr gut, der "Neue" ist noch besser.

Fazit

Es macht einfach Spaß, mit den Bogen zu schießen. Es macht nicht nur Spaß, sondern auch süchtig.
War das alte Griffstückdesign schon gut, ist das Neue noch besser geworden. Die sanfte Verarbeitung des Griffes lädt ein, ihn einfach nur in die Hand zu nehmen, der Auszug ist eine Freude und der Schuss eine Wohltat.
Die Gruppierung auch auf weitere Distanzen ist deutlich exakter im Vergleich zum alten Design, die Wurfkraft ist - subjektiv gesehen - ein Traum.

Und Handschock? Tut mir leid... Was ist das? Kenne ich bei diesem Bogen nicht.
Gibt's nicht. Sanfter geht es nicht, auch nicht bei 50# Zuggewicht bei 28".

Ich danke der Firma Bearpaw ganz, ganz arg für diese seltene Möglichkeit, einmal zwei Custom-Bogen im direkten Vergleich testen zu können. Weihnachten, Geburtstag und Ostern sind gestern auf diesen Tag gefallen ;-) Macht weiter so, was die Entwicklung Eurer Bogen angeht, ihr seid auf dem besten Weg, die besten Bogen zu bauen. Der Quickstick ist ja auch schon mehr als genial... Macht weiter so mit Eurem Kundenservice, der ja nicht nur bei mir so gut abläuft, und macht weiter so als eine expandierende Firma, die noch aus Menschen und nicht nur aus Bildern im Internet besteht.

...Und sollte jemand mal so einen wirklich guten Bogen haben wollen und fanatisch genug ist, den Preis (annähernd 900€) zu zahlen:
Tut es. Der Bogen ist gi-gan-tisch. Aber klaut mir bloß nicht meine Holzkombination. Sonst gibt's Ärger, isch schwör, Alder!

Wenn nun der Big Bear im selben Schnitt ist (weiß ich jetzt nicht), ist der allerdings eine günstigere Alternative, die ich auch auf jeden Fall empfehlen kann. Im Vergleich zur der oben angedeuteten Firma schon deutlich teurer, aber mindestens doppelt so gut in der Qualität. Und auch im direkten Vergleich zu einer amerikanischen Firma, die recht beliebt ist (nicht Black Widow, und auch nicht Bear) deutlich besseres Schussgefühl, deutlich weniger Handschock, sogar bei den Recurves. Zum selben Preis...